Der Kontrast könnte kaum größer sein zwischen den beiden städtebaulichen Zentren der Messestadt Riem auf dem Gelände des ehemaligen Münchner Flughafens: Auf der einen Seite die gläsernen bunten Einkaufs-Arkaden und direkt gegenüber der weiße Kubus des neuen Kirchenzentrums. Die Anlage orientiert sich nach innen, wo zahlreiche Höfe ein Gefüge unterschiedlicher Nutzungen strukturieren. Ein frei stehender Glockenturm markiert den Eingang. Im Inneren öffnet sich ein Mikrokosmos in den warmen Farben von Ziegelmauerwerk und Lärchenholz. Der Komplex beherbergt sowohl eine evangelische als auch eine katholische Kirche. Rasterförmig ausgebildete hölzerne Dachtragwerke prägen in beiden Bereichen den sakralen Raum. Im katholischen Kirchenraum St. Florian betonen gläserne Kunstwerke vier Seiten des kreuzförmigen Grundrisses. Die monolithische Altarskulptur wird über ein Oberlicht zusätzlich hervorgehoben. In der evangelischen Sophienkirche liegt über der Trägerrostkonstruktion des Daches eine gläserne Hülle, durch die der Raum gleichmäßig in diffuses Licht getaucht wird. Für die zweischaligen Fassaden mit hinterlüftetem Mauerwerk als Vorsatzschale waren Dehnfugen notwendig, da Längenänderungen unvermeidlich sind. Daraus entstand die Idee, die innere Raumordnung in der abstrakten Außenansicht über die Vertikalfugen ablesbar zu machen: Sie markieren jeweils die Übergänge der Nutzungen. Die so entstandenen Schalenlängen (17,5 m bzw. 5 bis 10 m an den Ecken) überschritten jedoch die bautechnischen Richtlinien, deshalb mussten zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden: Konsolen mit Gleitflächen sichern zwängungsfreie Bewegungen, Zahnbleche in Lagerfugen bilden Fixpunkte und ermöglichen durchgehende Schalen in den Ecken, Bewehrungen in den Lagerfugen reduzieren die Rissbildung. In Sockel-, Attikabereich und auf drei Metern Höhe sorgen Horizontalfugen für die Hinterlüftung, die Schalenhöhe wird so auf 7 m minimiert. Präzise gesetze Fugen und mit Aluprofilen gefasste Öffnungen stehen der Haptik von unebenem Mauerwerk reizvoll gegenüber.
