Noch heute verbreiten traditionelle japanische Schiebewände aus sinnlich strukturiertem Reispapier einen geheimnisvollen Charme. Im westlichen Kulturkreis sind maximale Transparenz und die Möglichkeit, sich dennoch nach außen abzuschirmen, seit Anfang des 20. Jahrhunderts untrennbar vom Ideal fließender offener Räume: Lediglich ein um die Gebäudeecke laufender Vorhang bildete den Raumabschluss des Space House von Friedrich Kiesler aus dem Jahr 1933, Frank Lloyd Wright arbeitete bereits 1944 bei seinem Johnson Wax-Gebäude mit Trennwänden und Fensterbändern aus horizontalen Glasrohren, und Philip Johnson errang mit seinem rundum einfachverglasten Glass House 1949 Weltruhm. Bei all ihrer Faszination halten diese Konstruktionen aus heutiger Sicht oft den Sicherheitsstandards nicht mehr stand, sind empfindlich gegen Verschmutzungen und Beschädigungen oder bauphysikalisch problematisch. Im Wettbewerb um zeitgemäße transparente und transluzente Materialien, Bauteile und Konstruktionen entwickeln Ingenieure und Materialwissenschaftler in Industrie und Forschung ihre Produkte ständig weiter. Neu ist, dass die Schranken der strikten Trennung von Gläsern, Kunststoffen, Metallen und selbst Beton oder Holz überschritten werden. Auch die klassische Trennung der Funktionen Durchblick und Sichtschutz in die Bauteile Fenster und Vorhang wird zunehmend von integrierten Komplettlösungen abgelöst oder mit Zusatzfunktionen versehen: zur besseren Raumakustik, zur Gewinnung von Strom- oder Wärmeenergie oder als Informationsträger bzw. Medienfassade. Vorhänge werden nicht mehr vor Fenster gehängt, sondern zwischen Gläser einlaminiert, bei faserverstärkten Kunststoffen als Matrix in Kunstharz eingegossen oder in ein Fassadenelement mit konditioniertem staubfreien Zwischenraum integriert (Abb. 1). Gewebt und gewickelt werden nicht nur Stoffe, sondern auch Metallfäden oder in Harz getauchte Glasfasern, die im Verbund mit Kohlefasern eine neue Welt aus leichten transluzenten Tragkonstruktionen eröffnen.