Der chinesische Pritzker-Preisträger Wang Shu entwarf vor rund zehn Jahren den Xiangshan Campus der China Academy of Art südlich von Hangzhou zwischen Hochhausblocks, bewaldeten Hügeln und dem Fluss Qiantang. Für die Neubauten verwendete er neben Bambus und Beton die Ziegel und Steine alter Häuser, die der schnellen Modernisierung Hangzhous zum Opfer gefallen waren. Deren schwarze Dächer winden sich um Innenhöfe und schwingen sich wie Sonnensegel über die Baukörper. Kengo Kuma führt beide Motive - Dach und Ziegel - bei der Erweiterung des Areals um ein Völkerkundemuseum mit Konferenzzentrum auf seine eigene Art und Weise fort. Leicht erhöht auf das Gelände eines alten Teegartens gesetzt, treppen sich rhomboide Formen den Hang nach oben. Sie bilden scheinbar getrennte, kleinere Einheiten innerhalb des 5000 Quadratmeter großen Komplexes. Der Innenraum läuft unter den mosaikartig zusammengesetzten, gegenläufig geneigten Dachmodulen durch, geprägt von Rampen und Treppen, die an jeder Stelle den Hang spürbar machen. Die Dächer wurden mit den recycelten Ziegeln in traditioneller Bauweise mit Mönch und Nonne gedeckt. In der Fassade entmaterialisiert Kuma den massiven Baustoff und hängt einzelne Dachziegel in ein Netz aus Edelstahlseilen. Hier dienen sie lediglich als Brise Soleil vor der Glasfassade der Stahlkonstruktion. Im Puzzle der Trapezformen fehlt hier und da ein Dachmodul und grüne Höfe finden Platz. Kuma leitet die Formensprache aus der »Topografie der Berge« ab, schafft durch die Einheitlichkeit der subtil unregelmäßigen, schwarzen Ziegel für Dach und Fassade eine monolithische Struktur, die sich stellenweise auflöst oder verdichtet. Auch in der Ausstellung verengt und weitet sich der Raum je nach Blickwinkel des Besuchers. Die Wände laufen zusammen oder auseinander und verunklären die gewohnte räumliche Perspektive. Orientierung bietet der Ausblick über den Hang, durch das Netz aus schwebenden Dachziegeln.